Pestalozzi Schule

Energetische Sanierung und Umbau (im Zuge von Inklusion)

Ort: Ahaus
Zeitraum: 2012 - 2015 (Planung) 2014 - 2016 (Realisierung)
Leistung: LPH 1-9
BGF: 2.440 m²
BRI: 10.040 m³
Auftraggeber: Stadt Ahaus

Die Pestalozzischule wurde 1976 als Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit einer Ziegel-Vormauerschale errichtet. 1996 erfolgte eine Aufstockung zu einem durchgängig zweigeschossigen Baukörper. 2015 / 2016 wurde die Schule im Zuge der Inklusion als „Schwerpunktschule“ barrierefrei umgerüstet, kernsaniert und energetisch modernisiert.


Das Gebäude stammt aus der Zeit des klassischen Frontalunterrichtes. Klassenräume und öffentliche Bereiche mussten seinerzeit hinsichtlich ihrer pädagogischen Anforderungen als auch der Qualität der Beleuchtung, Raumklima und -akustik und Medienausstattung nicht so viel leisten können wie moderne Schulbauten.

Die Aufgabe
Die Herausforderung war, die modernen Anforderungen an die genannten Aspekte zu integrieren und ein gestalterisch wie pädagogisch anspruchsvolles Gesamtkonzept zu entwickeln. Dabei offerierten die umfangreichen Sanierungsarbeiten in den Bereichen Baukonstruktion und technischer Infrastruktur die Möglichkeit Raumstrukturen neu zu definieren und somit neue Aufenthaltsqualitäten zu schaffen.
Um mit der architektonischen Neugestaltung einen positiven Einfluss auf die pädagogische Arbeit zu schaffen, wurden Nutzer, Bauherr, Raumakustiker, Feuerwehr und Unfallkasse bei der Erarbeitung der pädagogischen und architektonischen Ziele von Beginn an eingebunden.

 

Die Umsetzung
Die Architektur der Schule wurde erhalten und durch Umstrukturierung und Ergänzungen den Bedürfnissen geänderter Anforderungen angepasst. Durch neue Akzente in äußerer Gestalt und die Anpassung der inneren Struktur erfährt das Gebäude sowohl in nutzungstechnischer als auch in gestalterischer Hinsicht eine behutsame Wandlung.

Ein ursprünglich offenes Atrium wurde überdacht und zu einem großzügigen, lichtdurchfluteten Lern- und Aufenthaltsbereich umgebaut. Das Atrium schafft zusätzliche Flächen im Erdgeschoß und auf einer Galerieebene im Obergeschoß. Die Zonen fungieren zum einen als Ausweichflächen für den Unterrichtsalltag, wie auch als öffentliche Fläche in der Nachmittagsbetreuung oder bei kleineren Veranstaltungen. Gemeinsam mit der neuen Cafeteria sind sie ein besonderer Gewinn für den offenen Ganztag.
Die barrierefreie Erschließung erfolgt durch den farblich auffälligen, neuen Windfang mit sensorgesteuerten Schiebetüren. In den neu entstandenen Atriuminnenraum wurde der Aufzug zur barrierefreien Erschließung des Obergeschosses an zentraler Stelle integriert.

Die Orientierung im Gebäude wird durch ein neues, ganzheitliches Farbkonzept erleichtert. Farbige „Portale“ markieren die Zugänge sämtlicher Klassen, sowie aller für den Schulalltag wichtigen Räume und dienen der Orientierung und Identitätsstiftung. Innerhalb der Räume wurden die Farben an Türen und Waschbeckenbereichen aufgegriffen. Passend hierzu sind an signifikanten Stellen im Gebäude Wegweiser positioniert.
Die Entfluchtung wurde in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr sowie der Unfallkasse NRW unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit neu organisiert. Im Obergeschoss wurde ein Fluchtbalkon errichtet, welcher für Rollstuhlfahrer Platz im Freien bietet, bis sie von der Feuerwehr von dort gerettet werden können.

Die Akustik der Klassenräume sowie sämtlicher öffentlicher Bereiche wurde durch Decken- und Wandabsorber auf die jeweiligen Bedingungen abgestimmt. Der Einsatz von Deckenheizungen, welche eine akustisch wirksame Oberflächen aufweisen, ergänzt das Akustikkonzept und minimiert darüber hinaus das Verletzungsrisiko im Schulalltag. Zu dem wird das Lernen, wie auch die pädagogische Arbeit, mit einem neuen Beleuchtungskonzept (LED) unterstützt und zusätzlich durch neu angeschaffte elektronische Tafeln erleichtert.

Die unterschiedlichen Baujahre und diverse Einzelsanierungen ließen das Gebäude architektonisch uneinheitlich und diffus erscheinen. Im Rahmen der energetischen Sanierung wurde ein Fassadenkonzept entwickelt, welches durch einfache Mittel wie der Neugestaltung der Fensterbänder und einer neuen, prägnanten Attika ein homogenes Erscheinungsbild formt. Die Konstruktion wurde gereinigt, die Klinker neu verfugt und mit Einblasdämmung in Hohlräumen hinter der Fassade energetisch saniert. In die Fensterbänder wurden Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung und CO²-Senoren integriert. Farbige Akzente setzen neue Elemente wie Windfang, Fluchttreppe und das Gerätehaus auf dem Schulhof.

Im Außenbereich wurde ein Spielgerätehaus errichtet und der Spielplatzbereich neu hergerichtet.
Eine Sauberlaufzone zwischen Sandspielbereich und Schulhof verhindert die übermäßige Versandung der Schule.
In der Summe aller Dinge liefert dieses Projekt für uns den Beleg dafür, wie bestehende Bildungsbauten den Bedürfnissen und gestiegenen Anforderungen einer geänderten Schullandschaft angepasst werden können.