Kindertagesstätte Immanuel

Erweiterung um eine U-3-Gruppe

Ort: Bönen
Zeitraum: 2017 - 2018 (Planung)
2018 - 2019 (Realisierung)
Leistung: LPH 1 - 9
BGF: 165 m²
BRI: 680 m³
Auftraggeber: Ev. Kirchenkreis Hamm

Die Kita Immanuel befindet sich in der Hermannstraße 2 in Bönen-Nordbögge und wird vom evangelischen Kirchenkreis in Hamm betrieben. Das eingeschossige Bestandsgebäude wurde 1990 in direkter Nachbarschaft zum Gemeindezentrum und Pfarrheim erbaut. Die Kita Immanuel befindet sich in einem ländlichen Wohngebiet, das von Reihenhäusern und freistehenden Einfamilienhäusern geprägt ist.

Vor der Erweiterung beherbergte die Einrichtung zwei Ü-3-Gruppen, die im Zuge der Einführung einer Ganztagesbetreuung um 2 Schlafräume ergänzt werden musste. Um den Bedarf weiterer Kitaplätze durch den Zuzug von jungen Familien in den ländlichen Raum gerecht zu werden, ist der Kirchenkreis Hamm durch den Kreis Unna angefragt worden das Betreuungsangebot zu ergänzen und Platz für eine weitere Gruppe zu schaffen. Gemäß der Vorgabe des Kinderbildungsgesetzes mind. 10 Plätze von Kindern unter 3 Jahren zu schaffen, wurde das Büro henke . siassi architekten mit der Planung für den Erweiterungsbau für eine neuen Gruppe inklusive der dazugehörigen Nebenräume beauftragt.

Da die neuentstehenden Räume entsprechend dem pädagogischen Bedarf entwickelt werden sollten, war eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekten und Erziehen nötig. Ziel war es einen gemäß dem pädagogischen Ansatz von Emmi Pickler, einen Raum zu schaffen, der durch seine schlichte offene Bauweise Kindern die Möglichkeit, gibt eigene Ideen zu entwickeln und selbständig aktiv sein zu können.

Der neue Gebäudeteil wird über die zentrale Eingangshalle des Bestandsgebäudes, die die Funktion eines Begegnungsraums einnimmt, erschlossen. Dazu wurde der Geräte- und Lagerraum der Turnhalle aufgelöst und als Spielflur und Garderobenbereich der neuen Gruppe umgenutzt. Von hier aus können der neue Gruppenraum und der Sanitärraum erschlossen werden. Vom Gruppenraum wiederum erfolgt der Zugang zum Differenzierungs- bzw. Nebenraum und den als Schlafraum genutzten Rückzugsbereich.

Um die Bauzeit zu verkürzen und der beengten Grundstückssituation Rechnung zu tragen, ist der Erweiterungsbau als nachhaltiger Holzrahmenbau ausgeführt worden. Der neue Gebäudeteil gliedert sich in zwei optisch unterschiedliche Gebäudeteile. Der Verbindungs-baukörper, der direkt an das Bestandsgebäude anschließt, verfügt über eine horizontal angeordnete Holzlamellenfassade und ein flachgeneigtes Dach. Der Hauptbaukörper, der die Baustruktur der Umgebung durch das „Hausmotiv“ aufnimmt, ist mit einer grauen Kratzputzfassade ausgeführt. Fenster- und Türöffnungen werden durch weiße Faschen und Laibungen akzentuiert. Die Süd-Ost-Fassade des Hauptbaukörpers ist durch eine Pfosten-Riegel-Fassade vollständig aufgelöst und dient dem Gruppenraum als eine Art Schaufenster zum Außenraum. Die breite Fensterbank kann entweder als Sitzbank oder Tisch genutzt werden, um das Geschehen außen zu beobachten und erlebbar zu machen. Von diesem Beobachtungsposten können der Wechsel der Jahreszeiten, die verschieden Formen des Wetters und auch die verschiedenen Wachstumsphasen der Pflanzen im Hochbeet, das sich im Außenbereich befindet erforscht werden.

Neben dem großen Schaufenster verfügen die Fenster über unterschiedliche Brüstungshöhen, damit verschiedene Ausblicke entstehen und durch den unterschiedlichen Lichteinfall ebenfalls verschiedene Raumwahrnehmungen erzeugt werden. Um diese Eindrücke zu verstärken ist Farbe sehr reduziert eingesetzt.  Die Räume sind überwiegend in weiß gehalten, Ausnahme bildet der Abstellkubus, der Gruppen-, Nebenraum und Spielflur trennt und in einem abgetönten blau-grün gestrichen ist, sowie die Einbauelemente wie die Rahmen der Holz-Glaselemente, die Fensterbänke und Sockelleisten, die in Eiche ausgeführt wurden. Der Boden ist mit einem grauen Linoleum belegt.

Transparenz und die dadurch ermöglichte Sichtbeziehung zwischen den einzelnen Funktionsräumen waren schon beim Entwurf des Anbaus von zentraler Bedeutung. So ist in die Bestandstüröffnung des ehemaligen Gerätelagers, dem jetzigen Spielflurs, nicht zurückgebaut worden, sondern über ein großzügiges Fenster mit dem Gymnastikraum verbunden. Gruppen- und Nebenraum bieten ebenfalls Sichtbeziehungen durch Holz-Glas-Türen bzw. eine Holz-Glas-Trennwand. Diese Sichtbeziehungen sollen die Neugierde anregen und durch Interaktion zum Mitmachen motivieren, damit Trennungsängste abgebaut werden.